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EHAP unterstützt Osteuropäer

Zugewanderte Familien aus Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn werden seit 2016 in Salzgitter im Projekt "Zusammen in Bildung und Freizeit" von vier pädagogisch erfahrenen und überwiegend mehrsprachigen Beraterinnen unterstützt.
Rathaus der Stadt Salzgitter Großbildansicht

Seit dem ist das im Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen verankerte Projekt - EHAP - auf einem guten Weg. Sein Ziel ist, die Zahl der von Armut bedrohten Menschen zu verringern und jegliche Form von Ausgrenzung und Diskriminierung zu bekämpfen.

Auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben kommen immer mehr Menschen vor allem aus Ost- und Südeuropa nach Deutschland. Seit mit Beginn des Jahres 2014 fast allen EU-Bürgerinnen und Bürgern freigestellt ist, in welchem Land der Union sie leben und arbeiten, stiegen auch in Salzgitter die Zahlen der Personen, die vornehmlich aus Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn in die Stadt kamen.

Im Jahr 2014 hielten sich 1.440 Personen aus Polen, 389 aus Rumänien, 188 aus Bulgarien und 169 aus Ungarn in Salzgitter auf. Ende des Jahres 2016 waren diese Zahlen deutlich angestiegen: 1.631 polnische, 601 rumänische, 345 bulgarische und 257 ungarische Personen waren in die Stadt gezogen.

Auch durch diese Zuwanderung kehrte sich der Trend in der Bevölkerungsentwicklung um. Anders als vom Statistischen Bundesamt prognostiziert, stieg in Salzgitter die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner sehr rasch über die 100.000-er Marke auf aktuell rund 106.000 Menschen.

Insbesondere auf den Zustrom aus osteuropäischen Ländern hatte sich Salzgitter frühzeitig eingestellt. "Viele der neuzugewanderten Unionsbürgerinnen und Unionsbürger haben mangelnde Sprachkenntnisse, eine fehlende oder geringe schulische sowie berufliche Qualifikation, sind gesundheitlich eingeschränkt oder leben unter problematischen Wohnbedingungen. Deswegen hat sich Salzgitter um die Teilnehme am 'Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen', kurz EHAP, beworben. Den Förderschwerpunkt hat Salzgitter auf Kinder und Familien gelegt", erläutert Dr. Roswitha Krum, Leiterin des Fachdienstes Kinder, Jugend und Familie.

Mit der Diakonie im Braunschweiger Land, dem AWO-Kreisverband Salzgitter-Wolfenbüttel und dem SOS-Mütterzentrum beauftragte die Stadt Salzgitter Organisationen und Einrichtungen, die langjährige Erfahrung mit der Betreuung von Zuwanderer haben, mit der Umsetzung des Projektes.

"Für die Menschen aus Osteuropa ist vieles hier in Deutschland so viel anders als in ihren Heimatländern. Die allergrößte Hürde ist der Schriftverkehr. Den zu bewältigen helfen wir ebenso, wie dabei, Kinderbetreuung zu vermitteln, Sozialleistungen zu beantragen, Sprachkurse zu finden, Fragen zur gesundheitlichen Versorgung zu klären oder bei Problemen in der Familie die richtigen Ansprechpartner zu finden", berichten die EHAP-Beraterinnen. Sie schaffen Orte, an denen die Menschen sich treffen, miteinander in Kontakt kommen und sich kennenlernen können. Sie kümmern sich um Sprachkurse, erklären das Bildungssystem und helfen, das Alltagsleben zu bewältigen. Das geschieht sowohl während der Beratungen in den Einrichtungen selbst, als auch bei Besuchen in den Familien.

Die gute Vernetzung der Projektmitarbeiterinnen trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen erreicht werden können. Aufgrund der Beratung stellten schwangere Frauen aus Rumänien und Polen Anträge auf Unterstützung durch die Mutter-Kind-Stiftung. Dort konnten sie über die Vorbereitungsmodalitäten vor und nach der Geburt informiert werden. Darüber hinaus konnte in Geburtsvorbereitungskurse vermittelt werden. Des Weiteren wurden in Zusammenarbeit mit dem Familienservicebüro der Stadt Salzgitter im Rahmen der "Babybegrüßung" Familien mit neugeborenen Kindern besucht, über frühkindliche Angebote informiert und in eine geeignete pädagogische Förderung empfohlen. Eine gute Abstimmung mit den KiTas und Familienzentren ermöglichte außerdem den erfolgreichen Zugang in die Betreuungseinrichtungen. Auch der Zugang in die Grundschule oder eine Zurückstufung in den Schulkindergarten konnte durch eine engmaschige Zusammenarbeit mit den jeweiligen Klassenlehrerinnen erreicht werden.

Der Zulauf ist groß. Mit 300 Beratungen im Jahr 2016 lag die Zahl um mehr als 200 höher als erwartet. Die gelungene Zusammenarbeit der Akteure vor Ort und die Fremdsprachkenntnisse der Koordinatorinnen haben dazu beigetragen, dass im Jahr 2016 allein im SOS-Mütterzentrum 81 Personen das Angebot in Anspruch genommen haben. Im Stadtteilzentrum AWiSTA konnten 103 Personen beraten werden. Für das Seeviertel kamen 116 Beratungen zu Stande. Die Ergebnisse sind nach Einschätzung aller Beteiligten spürbar: Die Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter werden entlastet, die zugewanderten Familien finden schneller Zugang zu den Frühen Hilfen wie auch zu Freizeit und Bildungsangeboten und gliedern sich damit leichter in die neue Heimat ein. "Besonders den Kindern wollen wir mit EHAP in Salzgitter Zugänge zu Betreuung, Bildung und Freizeitangeboten eröffnen. Denn wenn sich die Kinder wohl fühlen, bleiben die Familien", unterstreicht Petra Behrens-Schröter für die Diakonie im Braunschweiger Land den kinder- und familienbezogenen Ansatz des Projektes.

Das EHAP-Projekt in Salzgitter hat eine Laufzeit von drei Jahren. Die 550.000 Euro umfassende Maßnahme wird zu 85 Prozent aus Mitteln des Europäischen Hilfsfonds finanziert. Weitere 8 Prozent des Projektvolumens übernimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales - BMAS. Salzgitter ist einer von acht Projektverbünden zu EHAP in Niedersachsen.

Donnerstag, 16.03.2017


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