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Was ist mit Salzgitter los?
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Leserbrief vom: Donnerstag, 11.10.2007
Kategorie: Stadtleben

Was ist mit Salzgitter los?


Bin ich zu kritisch oder liegt es an der Häufung der Situationen, dass in mir das Gefühl aufkommt - Salzgitter wird immer unfreundlicher und dreckiger?
Begleiten Sie mich auf meinem Spaziergang und urteilen Sie selbst:
(Ich möchte darauf hinweisen, dass es natürlich auch noch nette, rücksichtsvolle und ordentliche Menschen in Salzgitter gibt - doch es werden leider immer weniger und diese Art der Vorfälle immer häufiger)

Hat in Salzgitter nur der stärkere Rechte!!!
Auf den ersten Metern kommen mehrere Fahrradfahrer von hinten, auf der falschen Seite - oder hat sich etwa etwas in der StVo geändert? - nebeneinander fahrend und natürlich erwartend, dass ich als Fußgänger auf den Rasen springe um Platz zu machen. Natürlich ohne vorher zu klingeln - aber zwischenzeitlich schaut man sich als Fußgänger sowieso alle paar Minuten um bzw. achtet auf irgendwelche Geräusche damit man zur Seite springen kann. Sollte dies nicht schnell genug sein, langsamer fahren kommt ja nicht in Frage, wird man meist noch beschimpft.

So, den Straßenverkehr hinter mich gebracht, biege ich in eine Parkanlage ein. Park - eine Anlage in der man spazieren kann und die Natur genießen, die Seele baumeln lassen, sich halt erholen! Tja, das war mal vor langer Zeit - heutzutage rasen die Fahrradfahrer Tour-de-France-mäßig durch die Anlagen. Als ich, gesäumt von Gebüsche, in die Parkanlage eintrete, kommt ein Fahrradfahrer so schnell um die Ecke gefahren, dass ich fast auf dem Lenker lande. Nun, eine Entschuldigung ist natürlich nicht drin, eher muss ich mich entschuldigen, dass ich überhaupt wage hier zu sein. Auch das ist leider die Normalität. Gut, dass mein Hund gerade im Gebüsch ist, sonst wäre er vielleicht erwischt worden und dann hätte ich noch zu hören bekommen: „Der Hund muss an die Leine!". Was nicht wahr ist, denn in der Parkanlage darf er frei herumlaufen, aber dieses Argument höre ich immer, wenn Fahrradfahrer ohne Rücksicht durch die Anlagen rasen und erwarten, dass alles zur Seite springt.
Selten sind die Fahrradfahrer die vorher klingeln, langsam heranfahren und sogar Verständnis dafür haben, dass der Hund aber auch Kinder halt nicht so schnell reagieren.

Leben die Salzgitteraner gern im Dreck?
Es geht also weiter - ist ja niemand zu Schaden gekommen. Einige Meter weiter muss ich meinen Hundekotbeutel zücken, falsch ... nicht weil mein Hund einen Haufen auf den Rasen gesetzt hat (den haben wir schon vorher entsorgt) sondern weil ich mal wieder Glasscherben vom Weg und dem Rasen aufsammeln muss, obwohl hier eine Bank mit Mülleimer steht. Doch die Gefahr, dass sich mein Hund mal wieder verletzt ist mir zu groß. Dank der vielen Glasscherben gelten wir bereits als Stammkunden beim Tierarzt, wegen Schnittverletzungen an den Pfoten. Dass - wie sich jeder denken kann - enorme Kosten bedeutet.
Aber auch die Pizzaverpackungen, diverse Zigarettenstummel und Kronkorken haben den Weg bis zum Mülleimer nicht geschafft. Ist wahrscheinlich auch zu anstrengend sich 50 cm weit zu bewegen.
Dieses Bild treffe ich noch öfters an auf meinen Spaziergängen durch Salzgitter, wie auch Abfall in den Gebüschen, neben den Mülltonnen und Wertstoffcontainern, Sperrmüll im Wald oder auch wochenlang vor den Wohnhäusern lagernd.

Gutes Benehmen und Vorbildfunktion in Salzgitter out?
Weiter auf meinem Spaziergang überquere ich einige Ampelanlagen in Salzgitter. Bei roter Ampel muss darf man die Straße nicht überqueren - habe ich so gelernt. Aber es gibt doch viele Mitmenschen die dies scheinbar ignorieren. Als ein Kind neben mir steht und wieder ein „vorbildlicher" Erwachsener bei rot die Straße überquert, kann ich mir die Bemerkung „Es ist rot!" nicht verkneifen. Da dreht sich derjenige um und antwortet: „Halt die Schnauze blöde Kuh". T Rote Ampel ignorieren  und ausfallend werden in der Gegenwart eines Kindes!
Abgesehen von diesen Vorfällen, frage ich mich aber auch wer die Grünphasen einstellt. Ich „gut zu Fuß" schaffe es oft geradeso die Straße zu überqueren bevor die Ampel auf rot schaltet. Was ist mit den alten oder behinderten Menschen - wird an die nicht gedacht?

Kurz danach habe ich die Feldmark erreicht und hoffe auf einen ruhigen Spaziergang mit meinem Hund. Da kommen mir von weiten zwei Hunde mit ihren Besitzern entgegen. Da niemand garantieren kann, dass sich fremde Hunde mögen, nehme ich meinen „Bei Fuß" (heißt, dicht bei mir, so dass er nicht mehr als 10 cm von meinem Bein entfernt ist). Die fremden Hunde laufen weiter auf uns zu, also bleibe ich erstmal mit meinem Hund stehen. Als die Besitzer ihre Hunde immer noch nicht zurückrufen, bitte ich Sie die Hunde nicht zu uns laufen zu lassen. Statt dies zu tun, werde ich nur gefragt: „Tut ihrer was?" Worauf ich antworte: „Das kann ich nie sagen, er kennt ihre Hunde ja nicht." und bitte sie erneut darum die Hunde zurückzurufen, da ich merke, dass mein Hund auch nicht sehr begeistert ist und sich steif macht. Aber keine Reaktion ...also versuche ich die Hunde mit meinem Filzhut zu verscheuchen. Plötzlich höre ich von den Besitzer kein „Komm hierher" sondern „Wenn du noch mal unsere Hunde schlägst, bekommst du es mit uns zu tun!".  Dies passiert leider immer wieder und dann wundern wir uns, dass es immer schwieriger wird, Freilaufflächen für Hunde zu bekommen.

Ein Hundebesitzer mit Verantwortungsbewusstsein, nimmt seinen Hund grundsätzlich bei fremden Hunden und natürlich der Begegnung mit Mitmenschen zu sich heran, denn niemand kann garantieren, dass sein Hund nichts macht. Sei es, dass der Mensch eine für den Hund bedrohliche Haltung bzw. Bewegung macht oder bei Hundebegegnungen, der eine Hund den anderen Hund „nicht riechen (leiden)" mag.

Fazit
Obwohl ich in Salzgitter geboren wurde und bis vor ein paar Jahren noch gern hier gelebt habe und auch irgenwie stolz darauf war, bin ich jetzt nicht sicher ob ich hier weiter wohnen will.
In den letzten Jahren wird es immer unangenehmer und oftmals habe ich das Gefühl es fehlt nicht mehr viel um sich wie in der "Bronx" zu fühlen!!!!

Christa Werner
Salzgitter-Lebenstedt


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