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Ichthyosaurier
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Ichthyosaurier aus Salzgitter

Der Ichthyosaurier aus Salzgitter wurde 1940 etwa 100 Meter unter Tage in der Schachtanlage Georg bei Salzgitter-Gitter gefunden. Die heute im Städtischen Museum Schloss Salder ausgestellte Skelettmontage ist die einzige weltweit vorkommende eines Ichthyosauriers der Gattung Platypterygius.
Eine Familie bestaunt den Ichthyosaurier im Schloss Salder. Großbildansicht

Die Meere des Erdmittelalters, des Mesozoikums, waren von verschiedenen Gruppen mariner Großreptilien bevölkert, die auch als Meeressaurier bezeichnet werden. Die am stärksten an das Leben im Wasser angepassten Meeressaurier waren die Ichthyosaurier, die ab der Untertrias (Trias: 250 - 200 Millionen Jahre vor heute) nachgewiesen sind.

Ihr Name rührt von ihrer fischähnlichen Gestalt her; der Kopf mit seiner langen spitzen Schnauze sitzt auf einem spindelförmigen Körper, der in einer großen halbmondförmigen Schwanzflosse endete, wie sie auch von Haien und Delphinen bekannt ist.

Die Beine der Ichthyosaurier waren vollständig zu Flossen umgebildet, die nur noch der Steuerung, nicht aber dem Antrieb dienten. Die Struktur der Flossen und das gesamte Skelett zeigen deutlich, dass Ichthyosaurier nicht mehr zum Landgang fähig waren. Da sie schon früh in ihrer Evolution lebendgebärend wurden, bestand auch zur Eiablage keine Notwendigkeit mehr, das Wasser zu verlassen. So waren alle Voraussetzung für die optimale Anpassung der Körperform an das Wasserleben gegeben.

Ichthyosaurier gab es von Delphin- bis Walgröße, die kleinsten Formen waren nicht viel länger als ein Meter, die größten deutlich über 20 Meter, wie ein über 4 Meter langer Schädel aus der Obertrias von Kanada belegt. Die Nahrung bestand bei den kleineren Formen aus Fischen und Tintenfischen, wie fossile Mageninhalte zeigen. Die größeren Formen, wie auch der Platypterygius aus Salzgitter, lebten wohl räuberisch und stellten kleineren Meeressauriern, auch kleineren Ichthyosauriern, nach.

Ichthyosaurier. Großbildansicht

Der Platypterygius hat eine Gesamtlänge von ca. 4 bis 7 Metern mit einem langgestreckten, keilförmigen Schädel mit relativ kleinen Augen und kräftigen Zähnen. Die Gattung Platypterygius ist nicht nur die letzte überlebende Form der Ichthyosaurier, sondern auch die, die am längsten (50 Millionen Jahre) gelebt hat. Mit verschiedenen Arten ist sie in diesem Zeitraum weltweit vorgekommen, wie Funde aus Australien, Europa, Indien, Süd- und Nordamerika belegen.

Aus der norddeutschen Kreide gibt es immer wieder Funde, die allerdings meist nur aus Teilen der Wirbelsäule oder des Gebisses bestehen. Der Fund aus Salzgitter war ursprünglich vollständig, allerdings gingen bei der Bergung und späteren Freilegung aus dem Gestein einige Teile verloren bzw. wurden zerstört. Trotzdem lässt sich die Gesamtgestalt durch den Vergleich mit anderen Funden recht genau rekonstruieren. Das Skelett hat eine Gesamtlänge von rund 5 Metern. Auffällig sind die recht kurze Rumpfregion und die sehr kleinen Hinterflossen. Das Skelett ist einer der vollständigsten Funde von Platypterygius und bildet die Grundlage der Art Platypterygius hercynicus.

Der Fund kommt aus Schichten des Apt und dürfte ein Alter von ca. 115 Millionen Jahren haben. Über Johannes Weigelt, Professor für Paläontologie an der Universität Halle, der seit 1937/38 als Geologe bei den Reichswerken beschäftigt war, gelangte das Stück in die dortige Sammlung und wurde von Oskar Kuhn kurz darauf weiter freigelegt und 1946 in einer wissenschaftlichen Publikation beschrieben und benannt.



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