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Neandertaler
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Jagdstation der Neandertaler

1952 wurde bei Bauarbeiten im Norden Salzgitter-Lebenstedts die Freilandstation an der Krähenriede entdeckt. Anhand vieler Funde konnte bewiesen werden, dass sich hier vor 50.000 Jahren eine Jagdstation der Neandertaler befand.
Abguß der original Grabungsfläche von 1952 Großbildansicht

Bei Ausschachtungsarbeiten für eine neue Kläranlage stieß man 1952 in etwa 5 Metern Tiefe auf die Knochen eiszeitlicher Tiere. Kurze Zeit später wurden auch Feuersteingeräte entdeckt. Aufgrund von Probegrabungen wurde schon nach zwei Tagen deutlich, dass hier ungestörte prähistorische Fundschichten vorlagen. Unter großen technischen wie finanziellen Schwierigkeiten wurde eine viermonatige wissenschaftliche Untersuchung unter Beteiligung von Geologen, Botanikern, Zoologen sowie Archäologen durchgeführt. Eine Fortsetzung erfuhr die Erforschung der Altsteinzeit in Salzgitter im Jahre 1977. Erneute Baumaßnahmen im Bereich der Kläranlage ermöglichten eine weitere Grabungskampagne über sechs Monate. Insgesamt wurden etwa 400 qm Fläche untersucht. Bis heute bieten die Ergebnisse der Grabungen in Salzgitter-Lebenstedt Anlass zu wissenschaftlichen Diskussionen.

Durch geologische Analysen der Schichtenfolge und die erhaltenen zoologischen und botanischen Funde kann man sich heute ein Bild der steinzeitlichen Umwelt im heutigen Salzgitter-Gebiet machen und rekonstruieren, was hier vor 50.000 Jahren geschah:

Im breiten Urstromtal lagerten Jäger am nordöstlichen Talrand im Schutz des damals viel höheren Talhanges. Der Lagerplatz befand sich in unmittelbarer Nähe eines Baches, der Krähenriede. Unterschiedliche Wasserstände führten zu partiellen Verlandungen und ließen kleine Tümpel und Altwässer entstehen. Diese günstige naturräumliche Situation verbunden mit seiner Lage direkt über einem Salzstock zog gleichermaßen Tiere und Menschen an. Wahrscheinlich wurde dieser Platz mehrfach jeweils im Spätsommer und Herbst aufgesucht. Von hier aus konnte man den Zug der Herden beobachten und die Jagd organisieren.

Blick auf die Grabungssituation 1952 Großbildansicht

Beinahe 3.000 Knochen von mindestens 86 Rentieren und 17 Mammuten gegenüber acht Pferden, einem Wisent und vier Wollnashörnern deuten eine Spezialisierung in der Jagd auf bestimmte Tiere an. Schlachtspuren an den Knochen zeigen, dass gezielt Rentiere erlegt wurden, um an das nahrhafte Knochenmark sowie an Felle zu gelangen. Aufgesammelte Mammutknochen wurden zu Knochengeräten weiterverarbeitet. Baltische Feuersteinknollen, die aus ältereiszeitlichen Geschieben in der näheren Umgebung zur Verfügung standen, dienten als Rohmaterial für die Werkzeugherstellung vor Ort. Große, im Kreis angeordnete Steine könnten als Beschwersteine für einfache Zelte gedient haben.

Unter dem reichhaltigen Fundmaterial, welches aus mehreren tausend Feuerstein-, Knochen-, Geweihartefakten, Fisch-, Geflügel-, Käfer- sowie Pflanzenresten und Pollen besteht, wurden erst 1963 menschliche Knochenreste entdeckt. Zwei Schädelknochen, die 1976 durch ein drittes passendes Fragment ergänzt werden konnten, gehören zur Menschenform des Neandertalers. Völlig überraschend entdeckte man während einer erneuten Bearbeitung des Knochenmaterials in den 1990er Jahren zwei weitere Oberschenkelknochen. Dadurch läßt sich in Salzgitter-Lebenstedt die Existenz mindestens zweier Individuen nachweisen, nämlich eines Erwachsenen und eines Kindes. Eine Geschlechtsbestimmung ließ sich nicht vornehmen.



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