Die Initiative "Gedankenflieger – Philosophieren mit Kindern" des "Jungen Literaturhauses Hamburg" besuchte auch in diesem Jahr erneut einige Grundschulen in Salzgitter, um den Kindern der dortigen 3. und 4. Klassen zu zeigen, was die großen Fragen der Philosophie mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Diesmal nahmen die Grundschule Am Ostertal in Lebenstedt mit ihrer Aussenstelle in Salder, die Grundschule Lichtenberg und die Grundschule Steterburg in Thiede teil.
Jeweils zwei Referentinnen des Literaturhauses besuchten die Schulen und ließen auf spielerische Weise mit den Schüler/innen die Gedanken fliegen – insgesamt acht Vormittagsveranstaltungen standen in diesem Jahr auf dem Programm. Ausgehend von sorgfältig ausgewählten Bilderbuchgeschichten wurde über das Thema „Was bedeutet Mut?“ gemeinsam diskutiert und nachgedacht. Es wurde nach Gründen und Zusammenhängen gesucht, vermeintlich Selbstverständliches geprüft und die Kinder konnten ihre eigenen Erfahrungen und Ideen zu dieser zentralen Frage zusammentragen. Nicht selten stellten sie dabei Übereinstimmungen fest, sie tauschten ihre Meinungen aus, formulierten Argumente und hörten sich die jeweiligen der anderen an. Das geschah kreativ, spielerisch, altersgerecht und immer anhand der von den Referentinnen mitgebrachten Bücher und des „Gedankenflieger“-Magazin, das eigens zu dem Thema entwickelt wurde und das die Veranstaltungen begleitete, vertiefte, die Kinder anregte, ihre Gedanken festzuhalten und die gesetzten Impulse weiterzudenken.
Finanziell gefördert wurden die „Gedankenflieger on tour“ in Salzgitter diesmal vom Lions Club Salzgitter (LIONSZ) und (wie schon mehrmals zuvor) von der Bundeszentrale für politische Bildung.
Die 3b der Grundschule Steterburg mit dabei
In der 3b der Grundschule Steterburg unterstützten Stefanie Segatz und Ulrike Jänichen die Kinder beim Philosophieren. Den beiden Referentinnen war dabei wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Gedanken unbewertet äußern konnten. Jede Idee war willkommen und so waren es die Schülerinnen und Schüler, die die Veranstaltung gestalteten. "Hier können die Kinder erleben, was heutzutage leider oft zu kurz kommt: Ihre Gedanken werden ernsthaft in Betracht gezogen, ohne dass sie gleich bewertet werden", erklärte Segatz die Idee des Projektes. Jänichen fügte hinzu: "Wir betreiben damit auch frühe politische Bildung. Demokratiefähigkeit wird so entwickelt. Auf Augenhöhe wird ausgetauscht: ,Du denkst das und Du denkst anders und das ist okay so'".
Die Schülerinnen und Schüler der 3b hatten ganz unterschiedliche Antworten auf die Frage "Was bedeutet Mut". Viele davon waren ganz außergewöhnlich und wären wohl nicht jeder oder jedem gleich zu dem Thema eingefallen. So wie: "Mut ist, wenn man nein sagen kann"; "Wenn man seine Angst überwindet". Die Kinder waren sich aber einig: "Angst ist nötig damit man Mut haben kann". Auf die Frage der Referentinnen, was denn dabei helfe, mutig zu sein, kamen Antworten wie: "sich gute Gedanken machen, wie ,Das schaffe ich schon'"; "an sich selber glauben"; "wenn man sich auf eine Aufgabe gut vorbereitet“; aber auch "Wenn andere an einen glauben und unterstützen". Viele der Schüler/innen waren aber auch erstaunt, als ihre Mitschülerinnen und -schüler sagten, sie würden sie für besonders mutig halten. Gelobt wurden sie dafür, dass sie sich für ihre Ideen einsetzen, ihre Meinung frei heraus sagen würden oder schon einmal eine Mitschülerin/einen Mitschüler vor einem stärkeren Mädchen oder Jungen beschützt hatten.
Nach dem Gedankenaustausch wurde sich mit den von den Referentinnen mitgebrachten Bilderbüchern beschäftigt. Doch zuvor wurden die Kinder gefragt, wer nach ihrer Ansicht am mutigsten sei, ein Löwe oder eine Maus. Anders als auch von Stefanie Segatz und Ulrike Jänichen erwartet, bildeten sich in der Klasse zwei fast gleich große Parteien. Die eine meinte, die Maus sei mutiger als der Löwe, und die andere hielt die Raubkatze für die Mutigere. Nach der Beschäftigung mit den Bilderbüchern ergab sich ein ganz anderes Bild. Jetzt waren die meisten der Schülerinnen und Schüler sicher: "Die Maus ist die Mutigere".
Was machen und wer sind die Gedankenflieger?
„Gedankenflieger“ ermutigt Kinder, zu fragen, in welcher Welt sie leben wollen. Was sind die Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten?
Mit Gedankenflieger begegnen Kinder den großen Fragen des Lebens in der geschützten Welt der Bilderbücher. Damit trainieren sie soziale Kompetenzen und lernen, den Herausforderungen unserer Zeit mit Kreativität und Selbstbewusstsein zu begegnen. So schafft das freie Denken Orientierung in einer sich immer schneller verändernden Welt und eröffnet möglicherweise Visionen von einer gelungenen Zukunft, für die es sich einzusetzen lohnt.
Gedankenflieger ist eine Initiative des Jungen Literaturhauses Hamburg und wird in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb sowie dem Netzwerk der Literaturhäuser durchgeführt.
Bereits sechs Jahre in Folge (seit 2020) haben die Gedankenflieger-Referent/innen des Literaturhauses – vermittelt vom Literaturbüro im Fachdienst Kultur der Stadt Salzgitter – ihre Koffer gepackt und sich im Rahmen einer mehrtägigen ÜberLand-Tour auf die Reise nach Salzgitter gemacht.
Mit ihrem „Philomobil“ (einem Kleinbus, bestückt mit guten Büchern und Ideen) sind sie dabei an verschiedenen Salzgitteraner Grundschulen zu Gast gewesen, haben mit Grundschüler/innen unterschiedlicher Klassenstufen philosophiert und sich von dem Gedanken- und Einfallsreichtum der teilnehmenden Kinder überraschen und begeistern lassen.
Dass dies so wunderbar gelingen konnte, ist neben dem sorgfältig durchdachten Konzept und dem großen Engagement der Referent/innen an wesentlicher Stelle auch der finanziellen Unterstützung durch verschiedene Förderer/innen hier in Salzgitter und aus der Region zu verdanken. Nicht zuletzt ihr großzügiger Beitrag hat es möglich gemacht, dass das Gedankenflieger-Projekt von den teilnehmenden Schulen als kostenfreies Angebot wahrgenommen werden und inzwischen auch in Salzgitter eine Kontinuität etablieren konnte.