Aus Flachs wurden im 18. und 19. Jahrhundert Garn und Leinen hergestellt. Die einst perlschnurartig aneinander gereihten Rottewasser-Parzellen sind heute allerdings nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen. Längst ist der Graben größtenteils von Weidengebüsch überwuchert.
Um dennoch darauf aufmerksam zu machen, hat die Arbeitsgruppe Heimatpfleger der Braunschweigischen Landschaft dort eine weitere ihrer archäologischen Hinweistafeln aufgestellt. Jörg Karlauf, Ortsheimatpfleger von Lobmachtersen hat die Informationen in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv der Stadt Salzgitter zusammengetragen. Die Hinweistafel zu den Flachsrotten Lobmachtersens wurde am 27. März 2025 im Beisein von Jan Erik Bohling (Kulturdezernent der Stadt Salzgitter), Katrin Helm (Stadtarchiv der Stadt Salzgitter), Jörg Karlauf (Ortsheimatpfleger Lobmachtersen), Anna Lamprecht (Geschäftsstellenleiterin Braunschweigische Landschaft e.V.) und Harald Schraepler (Sprecher der AG Heimatpflege der Braunschweigischen Landschaft e.V.) enthüllt.
Die seit 1995 aufgestellten Schilder laden zu spannenden Entdeckungsreisen an weniger bekannte, regionalgeschichtliche Orte im Braunschweigischen ein. Auf den mittlerweile mehr als 30 gestalteten Tafeln wird an den betreffenden Orten mit Texten, Fotos und Grafiken über die jeweiligen Hintergründe informiert. Die meisten Tafeln stehen an Rad- oder Wanderwegen und sind gut sichtbar angebracht.
Was ist eine Flachsrotte ?
Anbau und Weiterverarbeitung von Flachs waren sehr aufwändig. Weil jedoch insbesondere ärmere Bevölkerungsschichten auf diese Herstellung von Stoff für Tücher und Kleidung angewiesen waren, waren in vielen Dörfern der Region Flachsrotten angelegt worden.
Bis aus Flachs Leinen wurde, bedurfte es mehrerer Arbeitsschritte. Nach der Ernte der bis zu 70 Zentimeter langen Fasern der Stängel folgte das sogenannte Flachsrotten. Dabei wurde der Flachs sieben bis zehn Tage bündelweise in das Wasser der Flachsrotte gelegt. Zum Beschweren dienten Bretter, Reisig und Steine. Der erforderliche Fäulnisprozess unter Wasser bereitete das Ablösen der Flachsfasern von den hölzernen Stängeln vor.
Wie in Lobmachtersen lagen die Flachsrotten außerhalb der Orte, weil bei dem Prozess des Verrottens unangenehmer Gestank entstand. Die Bündel mussten danach mehrere Wochen getrocknet werden, bevor sie von Leinweberinnen und -webern zu Bastfasern verarbeitet werden konnten.
Im 19. Jahrhundert erlebte die Flachsverarbeitung im Herzogtum Braunschweig durch die einsetzende Industrialisierung einen Höhepunkt. Heutzutage spielt der Flachsanbau keine wirtschaftliche Rolle mehr. Die Herstellung von Flachsfasern hat lediglich noch museale Bedeutung. Der letzte Leinweber in Lobmachtersen, Heinrich Wilhelm Behme, war vor 1900 aktiv.